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Radregion

©Quelle: Münsterland e.V./Philipp Fölting

Radfahren ist die touristische Kernkompetenz des Münsterlandes. Daher ist sie in der Tourismusstrategie der Region verankert und soll im Sinne der Marke Münsterland weiter ausgebaut werden. Das Image als Radregion hat sich dabei etabliert: Nicht umsonst zählt das Münsterland laut ADFC Radreiseanlyse seit Jahrzehnten zu den beliebtesten Radregionen in Deutschland. Hierbei profitiert die Region von ihrer fast 40jährigen Geschichte.

Radfahren ist neben Wandern die beliebteste Freizeit- und Urlaubsaktivität der Deutschen. Allerdings ist der Wettbewerbsdruck zwischen den Destinationen groß. Die Radregion Münsterland darf sich nicht auf den Erfolgen der Vergangenheit ausruhen, sondern muss gezielt und gemeinsam an einer qualitativen und innovativen Weiterentwicklung im Radtourismus arbeiten.

In Kürze:
  • Radfahren hat eine große Bedeutung.
  • Der Wettbewerbsdruck ist hoch.
  • Der Markt muss differenziert werden.
  • Eine klare Zielgruppenansprache ist notwendig.
  • Digitale Kommunikation spielt eine entscheidende Rolle.
  • Infrastruktur ist die Basis des Radtourismus, die weiterentwickelt werden muss.
  • Inszenierungen sind notwendig.
  • Qualität geht vor Quantität.
  • Gezieltes Qualitätsmanagement ist besonders wichtig.

Die Radregion Münsterland zeichnet sich durch ein dichtes Netz an gut ausgebauten Radwegen, eine flache und abwechslungsreiche Landschaft sowie eine Vielzahl kultureller und historischer Sehenswürdigkeiten aus. Die Kombination aus Kultur, Naturerlebnissen, gut ausgeschilderten Routen und einer radfahrerfreundlichen Infrastruktur bietet sowohl Freizeit- und Urlaubsradlern ideale Bedingungen.

In Kürze:
  • Topographie (überwiegend eben)
  • Radfahren ist authentisch für die Region
  • Über 40 Jahre Erfahrung im Radtourismus
  • Image als Radregion erlangt
  • Gut ausgebaute Infrastruktur
  • Dichtes Knotenpunktnetz (Dichte ist einzigartig)
  • 100-Schlösser-Route als Premiumprodukt

Die Radregion Münsterland besteht aus einem ca. 5.000 Kilometer langen Radwegenetz, das mit der rot-weißen Radwegweisung ausgeschildert ist. Bei der rot-weißen Radwegweisung handelt es sich um eine amtliche Beschilderung, die mittlerweile in ganz Nordrhein-Westfalen umgesetzt ist. Der Umgang mit der Beschilderung ist in den Hinweisen zur wegweisenden Beschilderung für den Radverkehr (HBR NRW) verbindlich geregelt.

Zielwegweiser weisen den Weg zu den Nah- und Fernzielen inklusive Kilometerangabe. Als Einschübe sind die auf dem Netz verlaufenden Themenrouten sowie die Knotenpunktnummern unter den Schildern angebracht.

Zwischenwegweiser zeigen den Weg zum nächsten Zwischenwegweiser. Sie werden nicht mit Themenroutenlogos versehen.

Routenaufkleber an den Pfosten enthalten Standortnummern, die der Nutzer bei Feststellung von Mängeln an die Servicehotline von Straßen NRW weitergeben kann. Im Münsterland ist zusätzlich die Nummer des Münsterland e.V. angegeben. Dort kann der Gast weiterführende Informationen während seiner Tour erhalten.

Das Knotenpunktsystem ermöglicht dem Nutzer das problemlose Fahren von Tagestouren. Auch für die sogenannten Sternradler oder Regioradler, die Touren von einem festen Standort aus machen, ist das Netz ideal.

In der Vermarktung der Radregion Münsterland setzt Münsterland e.V. daher auf das Knotenpunktnetz für die Bewerbung der Regioradler und Tagetouristen sowie auf ausgewählte überregional bedeutende Radrouten zur Bewerbung der Etappenradler. Diese Radrouten müssen derzeit entweder unter den ersten 30 beliebtesten Radrouten laut ADFC-Radreiseanlyse stehen oder mindestens drei Sterne laut ADFC-Zertifizierung erreichen und nachweisen.

Die wichtigste Themenroute für das Münsterland ist nach wie vor die 100-Schlösser-Route. Sie ist nicht nur der Premiumradweg in der Radregion Münsterland, sondern besitzt auch die meiste Strahlkraft und ein hohes Zukunftspotential. Bereits in den 80er Jahren wurde die Radroute entwickelt. Sie verbindet zwei authentische Themen des Münsterlandes – Radfahren sowie Schlösser und Burgen – miteinander. Sie wurde in den letzten 40 Jahren stetig weiterentwickelt und optimiert.

Der EmsRadweg wurde 2004 offiziell eröffnet. Er führt auf rund 375 Kilometern von Hövelhof im Paderborner Land bis nach Emden. Von 2009 bis 2011 wurde der EmsRadweg im Rahmen einer EFRE-Förderung weiterentwickelt und ausgebaut. Er ist in den regionalen Radwegweisungssystemen einheitlich ausgeschildert. Das Projektbüro für den EmsRadweg hat seinen Sitz in Hövelhof. Es wird von überwiegend kommunalen Trägern finanziert. Im Münsterland übernehmen die Kreise Warendorf und Steinfurt diesen Part. Die Interessengemeinschaft EmsRadweg trifft sich regelmäßig zur strategischen Weiterentwicklung der Route. Der EmsRadweg ist Mitglied und Mitbegründer der Marketingkooperation „Deutschlands schönste Flussradwege“.

Der Europaradweg R1 verläuft von London bis nach St. Petersburg auf über 3.500 Kilometern durch zehn europäische Länder – Großbritannien, Frankreich, Belgien, Niederlande, Deutschland, Polen, Litauen, Lettland, Estland und Russland. Ein Teilstück dieses auch Euro-Route genannten Radweges führt durch Nordrhein-Westfalen. Diese rund 315 Kilometer lange Strecke führt von Vreden an der niederländischen Grenze bis nach Höxter im Weserbergland. 2002 haben sich Anrainerkommunen zur Arbeitsgemeinschaft Europaradweg R1 in NRW zusammengeschlossen. Erklärtes Ziel ist es, die deutschlandweite Zusammenarbeit am R1 zu stärken. Die offizielle Koordinierungsstelle für den NRW-Teil wird vom Münsterland e.V. geführt.

Die Friedensroute ist ein Themenradweg, der 1998 zum 350. Jubiläum des Westfälischen Friedens eröffnet wurde. Die Route verläuft auf ca. 175 Kilometern auf einer West- und einer Osttrasse zwischen den Friedensstätten Münster und Osnabrück. Die Route ist offizieller Bestandteil der regionalen Beschilderungssysteme im Münsterland und im Osnabrücker Land. Sie wird mit dem Friedensreitersymbol gekennzeichnet. Koordinierungsstellen für die Route sind im Münsterland der Münsterland e.V. und im Osnabrücker Land der Tourismusverband Osnabrücker Land e.V.

Die Römer-Lippe-Route ist ca. 400 Kilometer lang und führt zwischen Detmold und Xanten vorbei an Römerkultur und Wassererlebnissen an der Lippe, dem längsten Fluss Nordrhein-Westfalens. Die Route wurde im Rahmen eines EFRE-Förderprojektes in Teilstücken barrierefrei ausgebaut. Koordinierungsstelle für die Kooperationsgemeinschaft Römer-Lippe-Route ist die Ruhr Tourismus GmbH (RTG).

Laut ADFC existieren mittlerweile fast 250 Radfernwege sowie eine Vielzahl von regionalen und lokalen Radrouten in Deutschland, für die weder ausreichend finanzielle noch personelle Ressourcen für Wartung, Unterhalt und Marketing zur Verfügung stehen. Der Marktdruck untereinander ist hoch. Für den Nutzer wird es immer schwieriger, aus dem Überangebot auszuwählen. Qualität wird daher immer wichtiger, um sich von den Mitbewerbern abzuheben und im Dschungel der Angebote gefunden zu werden.

Erfolgreiche Radrouten benötigen:

  • eine attraktive Streckenführung,
  • eine sehr gute Wegequalität,
  • eine eindeutige und gute Beschilderung,
  • ein professionelles Marketing,
  • ein funktionierendes Qualitätsmanagement,
  • Investitionen in Unterhalt, Marketing und Personal,
  • regelmäßige Innovationen,
  • Inszenierungen, die das eindeutige Thema erlebbar machen und
  • ein Zusammenspiel aller Akteure entlang des Radweges.

Im Münsterland ist die oben beschriebene Entwicklung ebenfalls festzustellen. Erklärtes Ziel bei der Einführung des rot-weißen Radwegweisungssystems im Jahr 2001 war die Konzentration auf ausgewählte, überregional bedeutende Routen, um dem Schilderwildwuchs Einhalt zu gebieten und dem Nutzer Qualität statt Quantität zu bieten. Doch mittlerweile zählen wir in der Radregion Münsterland an die 100 überregionale, regionale und lokale Radrouten, die teilweise in die Radwegweisung integriert sind, teilweise mit Sonderplaketten ausgeschildert wurden – Tendenz steigend. Qualität und Nachhaltigkeit sind meist nicht gegeben und auch nicht gesichert. Das gemeinsame Ziel, mit der Radregion Münsterland ein qualitativ hochwertiges radtouristisches Angebot zu schaffen, wurde aus den Augen verloren. Lokale Interessen überwiegen häufig.

Die Ansprüche und Wünsche der Gäste steigen. Sie sind immer reiseerfahrener, haben viele Vergleichsmöglichkeiten und suchen ein außergewöhnliches Erlebnis. Qualität ist daher das Schlüsselwort für den Erfolg im Radtourismus. Dazu zählt sowohl die Qualität der Radwegeinfrastruktur, wie komfortable Befahrbarkeit, lückenlose Wegweisung, guter Oberflächenbelag, entsprechende Breite der Wege, Sicherheitsaspekte, Routenführung und Ausstattungselemente entlang des Weges, als auch Qualität in Service, Kommunikation und Angeboten. Hierzu zählen eine gute Verkehrsanbindung, ein zielegruppengerechtes Marketing, Inszenierungen und Storytelling, zugängliche Sehenswürdigkeiten entlang der Wege, ein kundenorientiertes Gastronomie- und Beherbergungsangebot. Es müssen unvergessliche Urlaubserlebnisse für den Gast geschaffen werden.

Ein stringentes Qualitätsmanagement inkl. Beschwerdemanagement, in das alle Akteure in der Region eingebunden sind und zusammenarbeiten, ist dafür unabdingbar. Es wird gerade vom Münsterland e.V. aufgebaut.

Zertifizierungen für Unterkünfte oder Radrouten bieten dem Nutzer Transparenz und Produktsicherheit.

Mit Bett und Bike und den Qualitätsradrouten hat der ADFC Zertifizierungen geschaffen, die einerseits dem Nutzer helfen, das passgenaue Angebot zu finden, und andererseits den Gastgeber dabei unterstützen, sich auf dem umworbenen Radreisemarkt zu profilieren.

Laut ADFC Radreiseanalsyse 2019 nutzen 83% der Radreisenden zur Vorbereitung ihrer Reise das Internet, 27% verwendeten Apps. Mit 65% stehen die Webseiten von Tourismusorganisationen bei der Planung ganz oben, gefolgt von freien digitalen Karten, Touren- und Hotelportalen, Fahrplanseiten und Radroutenplaner der Bundesländer. Auch während der Reise spielt das Internet eine wichtige Rolle. Rund 50% suchen Informationen zum öffentlichen Nahverkehr, fertige Tourenvorschläge zum Nachfahren, Informationen zu Sehenswürdigkeiten, Gastronomievorschläge, Übernachtungsmöglichkeiten, Streckenberechnung von A nach B und Standortbestimmungen. Während und nach der Reise wird von rund 18% in sozialen Medien vom Urlaub berichtet (ADFC Radreiseanalyse 2018).

Laut dem Verband Internet Reisevertrieb e.V. beträgt bei der Buchung der Anteil der digitalen Kanäle bei Urlaubsreisen über fünf Tage 50% und bei Kurzurlaubsreisen bis fünf Tage 80%.

Die Aufbereitung und Bereitstellung von gutem Content (Routenvorschläge, Bilder, Texte, Videos, Stories etc.), die aktive Nutzung von Sozialmedia- und Bewertungsportalen, der Aufbau zeitgemäßer Internetseiten sowie eine Onlinebuchbarkeit sind daher in der jetzigen Zeit unumgänglich.

Laut ADFC Radreiseanlyse 2019 wurden 2018 258 Millionen Tagesausflüge mit dem Rad unternommen, im Vorjahr lediglich 167 Millionen. 81 % der Tagesradler planen ihre Touren individuell, 2/3 davon wünschen sich aber fertige Tourenvorschläge. 39% starten nicht von zu Hause und sind bereit, weitere Anfahrtswege zum Startort in Kauf zu nehmen (60-100 Kilometer). 72% planen zudem spontane Radausflüge während ihrer Urlaubsreise. Laut ADFC Radreiseanlyse 2018 sind Tagesradler während ihres Urlaubs gerne aktiv, denn neben dem Radfahren steht auch Wandern (66 %), Schwimmen (60 %), Joggen (26 %) oder Wassersport (17 %) auf dem Programm. 40 % der Tagesausflügler interessieren sich für Mieträder, davon ca. 50 % für Elektrofahrräder, wobei die wichtigsten Kriterien beim Mietradangebot gute Qualität, aktuelle Räder und eine gute Auffindbarkeit des Angebots sind.

Die Tagesauflügler auf dem Rad sollte man nicht vernachlässigen. Sie bergen ein großes Potential. Aufbereitetet Tourenvorschläge, Tourenportale zur eigenen Planung, niedrigschwellige Angebote und die Nutzung von Kombinationsthemen können zum Erfolg führen.

Mitte der 80er Jahre war der Fahrradtourismus noch eine „neue Idee“ im Tourismus. Das Münsterland bot ideale naturräumliche Voraussetzungen zum Radfahren. Traditionell sind fast alle Münsterländer Radfahrer, somit hatte man einen direkten Bezug zum Thema. Die Einwohner des Ruhrgebietes boten eine riesige Zielgruppe direkt vor der Haustür.

Die 100 Schlösser Route wurde Mitte der 80er Jahre als eine der ersten Themenrouten überhaupt konzipiert. Ziel war es, die beiden für das Münsterland wichtigen Themen „Radfahren“ und „Schlösser“ zu verbinden. Die Route war als Netz angelegt, das alle Orte im Münsterland miteinander verband. Es gab eine Hauptroute, deren Kennzeichnung über grüne Burgsymbole erfolgte, und Nebenrouten, die mit schwarzen Burgsymbolen gekennzeichnet waren. Die Beschilderung wurde mit Metallplaketten angebracht bzw. an Bäume und Pfosten gemalt.

In den 90er Jahren entwickelte sich der Fahrradtourismus im Münsterland enorm. Daher wurden neue Routen konzipiert, meist jedoch unabgestimmt und teilweise mit schlechter Qualität. Der „Schilderwald“ im Münsterland nahm zu, so dass die Orientierung für den Nutzer nicht mehr gegeben war. Es drohte ein Einbruch des Radtourismus in der Region, da die Qualität nicht mehr durchgängig gewährleistet war. Darum entschloss man sich Mitte der 90er Jahre dazu, die touristische Radwegebeschilderung im Münsterland komplett zu überplanen.

Im Rahmen eines Förderprojektes wurde das unter dem Arbeitstitel „RWS 2000“ bekannt gewordene Radwegweisungssystem für das Münsterland entwickelt. Es entstand ein über 4.000 km langes Rundroutennetz mit ausgewählten Themenrouten. Das Radwegnetz übernahm die Aufgabe der 100 Schlösser Route, die Region miteinander zu verbinden. Heute wird diese Radwegweisung in ganz Deutschland angewandt. Damals war das Münsterland als Flächenregion Pilot. Das Rundroutennetz – auch als Wabennetz bekannt – ist nach wie vor einzigartig in Europa. Es richtet sich an Tagetouristen und bietet dem Nutzer eine Auswahl von über 200 Tagestouren zwischen 10 und 40 Kilometer Länge.

Im Laufe der Jahre ist der Anspruch der Radtouristen erheblich angestiegen, so dass 2005 ein weiterer Anlauf unternommen wurde, die Qualität der 100 Schlösser Route zu verbessern. In einem ersten Schritt wurden die Schlösser und Burgen kategorisiert. Anhand dieser Kategorisierung wurde eine klare und nachvollziehbare Routenführung erarbeitet, die die wichtigsten Objekte anbindet.

In den Jahren 2020-2023 wurde in der Radregion Münsterland das Rundroutensystem durch ein Knotenpunktsystem ersetzt. Das Knotenpunktsystem hat seinen Ursprung in Belgien und den Niederlanden und kommt mittlerweile in vielen nordrhein-westfälischen Regionen zum Einsatz.

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